Sicheres Bastelmaterial für Kita & Krippe: DIN EN 71-3 verständlich erklärt
Zwölf Kinder am Basteltisch, zwölf Hände, die Perlen erkunden – und mindestens drei davon wandern Richtung Mund. Als Erzieherin kannst du das nicht verhindern, du kannst es nur einplanen. Der wichtigste Hebel liegt also nicht in der Aufsicht, sondern im Einkauf: Welches Material ist nachweislich speichelfest und schadstoffgeprüft? Dieser Leitfaden erklärt kompakt, was die DIN EN 71-3 wirklich bedeutet, wie du als Erzieherin oder Kita-Leitung Sicherheitszertifikate prüfst und welches Bastelmaterial für welche Altersgruppe geeignet ist.
1. Warum kommen Kita-Materialien immer wieder in den Mund?

Die orale Phase ist kein Erziehungsproblem, sondern ein neurologischer Meilenstein. Säuglinge und Kleinkinder bis etwa zum dritten Lebensjahr erschließen sich Form, Oberfläche und Temperatur primär über die Mundschleimhaut – sie ist dichter mit Tastrezeptoren besetzt als jede andere Körperregion. Erst gegen Ende des dritten Lebensjahres verlagert sich dieses Erkunden in die Fingerspitzen, und auch dann bleibt der Mund-Reflex bei Müdigkeit, Aufregung oder Zahnungsschmerz präsent.
Für dich als Fachkraft heißt das: Bei Kindern bis drei Jahren ist „nicht in den Mund stecken“ keine realistische Erwartung. Das Material muss so beschaffen sein, dass ein Mundkontakt unproblematisch ist – und das ist eine reine Beschaffungsfrage, keine pädagogische.
2. Die drei wichtigsten Normen – kurz erklärt


Spielzeug und Bastelmaterial, das in Kitas an Kinder unter 14 Jahren ausgegeben wird, fällt in der EU unter die Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG. Die technische Umsetzung erfolgt über die DIN-EN-71-Reihe. Diese drei Normen solltest du kennen:
| Norm | Was sie prüft | Praxis-Bedeutung |
|---|---|---|
| DIN EN 71-1 | Mechanische und physikalische Eigenschaften: Zugkraft, Bruchverhalten, scharfe Kanten, verschluckbare Kleinteile | Stellt sicher, dass Perlen nicht zerspringen, Knoten halten und sich keine Kleinteile lösen, die in den Schlund passen |
| DIN EN 71-2 | Brennbarkeit von Textilien, Bärten, weichen Materialien | Relevant für Filz, Häkelteile, Schnüre – Material muss flammhemmend oder zumindest selbstverlöschend sein |
| DIN EN 71-3 | Migration von 19 Elementen (u. a. Blei, Cadmium, Chrom, Arsen, Quecksilber, Barium) aus Materialien, mit denen das Kind in Kontakt kommt | Die wichtigste Norm für Speichelkontakt: Sie definiert, wie viel eines Schadstoffs maximal aus dem Material gelöst werden darf |
| DIN EN 12586 | Speziell für Schnullerketten/Schnullerhalter: Längenbegrenzung, Zugfestigkeit, Kleinteil-Tests | Schnullerketten dürfen maximal 22 cm lang sein (Strangulationsschutz) und müssen einen Zugtest von 90 N bestehen |
Verbindlich ist immer das CE-Zeichen plus eine Konformitätserklärung (DoC – Declaration of Conformity) des Herstellers. Das CE-Zeichen allein ist eine Selbstauskunft; den eigentlichen Sicherheitsnachweis liefert das Prüfbericht eines unabhängigen Labors (z. B. TÜV, SGS, Eurofins).
3. Was bedeutet „speichelfest“?


„Speichelfest“ ist im Alltag ein Sammelbegriff, technisch dahinter steht die Norm DIN 53160-1/-2: Schweiß- und Speichelechtheit. Geprüft wird, ob Farbstoffe, Lackschichten oder Imprägnierungen sich beim Kontakt mit künstlichem Speichel oder Schweiß lösen. Eine Probe wird dafür mehrere Stunden in einer pH-neutralen Speichellösung bei 37 °C gelagert; die Flüssigkeit wird anschließend chemisch analysiert.
Für Kita-Material heißt „speichelfest“ konkret:
- Farben sind wasser- und lichtbeständig – sie färben nicht auf Haut, Schleimhaut oder Lippen ab.
- Es lösen sich keine Weichmacher, Bindemittel oder Pigmente, die geschluckt werden könnten.
- Bei Holzperlen: Der Lack ist ein speichelfester Klarlack oder eine speichelfeste Lebensmittelfarbe auf Wasserbasis.
Wichtig: Speichelfest ist nicht automatisch lebensmittelecht. Beides sind eigene Prüfungen. Für Bastelmaterial in der Kita ist die Speichelfestigkeit die relevante Kennzahl.
4. Schadstoffe-Checkliste vor dem Kauf

Bevor du Bastelmaterial für deine Gruppe bestellst, prüfe diese fünf Punkte. Bei jedem „Nein“ solltest du beim Hersteller nachfragen – seriöse Anbieter liefern die Belege kommentarlos.
- Liegt eine Konformitätserklärung (DoC) vor? Sie verweist auf die geltenden Normen (mindestens EN 71-1 und EN 71-3) und ist vom Hersteller unterzeichnet.
- Welches Prüflabor hat getestet? Akkreditierte Labore (TÜV, SGS, Eurofins, Intertek) sind Standard. Ein „intern geprüft“ reicht nicht.
- Ist die Speichelfestigkeit ausdrücklich ausgewiesen? Schlagwort „nach DIN 53160″ auf Datenblatt oder Produktseite.
- Wie alt ist der Prüfbericht? Bei laufender Produktion sollte er nicht älter als 24 Monate sein, sonst Nachprüfung anfordern.
- Sind verschluckbare Kleinteile gekennzeichnet? Pflicht-Warnhinweis ab Teilen, die in den Kleinteile-Zylinder passen (Durchmesser 31,7 mm, Tiefe bis 57,1 mm).
5. Bastelmaterial für verschiedene Altersgruppen
Die Spielzeugnorm differenziert klar zwischen Materialien „für Kinder unter 36 Monaten“ und „ab 3 Jahren“. Diese Grenze ist nicht pädagogisch, sondern sicherheitstechnisch begründet. Eine Orientierungshilfe für den Einkauf:
| Alter | Geeignetes Material | Tabu |
|---|---|---|
| 0–12 Monate (Krippe) | Greiflinge mit Sicherheitsperlen ab 30 mm, Holzringe ungelackt, Mobiles außer Reichweite | Alle losen Kleinteile, Schnüre, Glöckchen ohne fest vernähten Verschluss |
| 1–3 Jahre (Krippe) | Sicherheitsperlen ≥ 30 mm, fertig konfektionierte Schnullerketten (max. 22 cm), Silikon-Beißringe nach EN 71-3 | Lose Perlen unter 30 mm, Schnurlängen unter 30 cm (Strangulationsrisiko), Filzteile mit Klebstoff |
| 3–6 Jahre (Kindergarten) | Holzperlen 10–12 mm, Buchstabenwürfel, Motivperlen, Bastelsets unter Aufsicht der Erzieherin | Selbstständige Nutzung von Perlen unter 6 mm, freier Zugriff auf Schnüre über 50 cm |
| 6+ Jahre (Vorschule, Hort) | Vollständiges Sortiment inkl. Hexagonperlen, feine Häkelarbeiten, Schnurarbeiten | Verantwortung wandert zunehmend zum Kind, aber Erste-Hilfe-Plan bleibt griffbereit |
Faustregel für die Krippe: Wenn eine Perle durch eine WC-Papierrolle fällt, ist sie zu klein. Die Innenmaße einer Klorolle entsprechen ungefähr dem Kleinteile-Zylinder der Norm.
6. Sicherer Umgang im Kita-Alltag
Sicheres Material ist die halbe Miete – die andere Hälfte ist die Routine, mit der es im Alltag eingesetzt wird. Diese fünf Praxis-Tipps haben sich in vielen Einrichtungen bewährt:
- Verschlossene Aufbewahrung nach Alter: Trenne Material für unter 3-Jährige strikt von Kleinteilen. Beschriftete Boxen in unterschiedlichen Schrankhöhen verhindern Verwechslungen.
- Wöchentliche Sichtkontrolle: Splittert eine Holzperle? Hat sich ein Knoten gelockert? Eine 5-Minuten-Routine am Freitagnachmittag spart Notfälle.
- Erste-Hilfe-Plan sichtbar aushängen: Notrufnummer Vergiftungszentrale (in Deutschland regional, z. B. 0228 19240 für Bonn) und Erstickungsmanöver-Anleitung gehören in den Gruppenraum.
- Eltern transparent informieren: Wenn ihr neues Material einführt, kommuniziert die Sicherheitszertifikate im Aushang oder Elternbrief. Das schafft Vertrauen und beugt Diskussionen vor.
- Dokumentation der Beschaffung: Hebt Prüfberichte und Konformitätserklärungen mindestens drei Jahre auf – sie sind im Schadensfall der Sicherheitsnachweis der Einrichtung.
7. Kauf auf Rechnung für öffentlich-rechtliche Träger: So funktioniert’s bei Kiki-Ena
Für Kindergärten, Krippen, Tagespflegen und Schulen bieten wir den unkomplizierten Bezug auf Rechnung an. Fülle einfach das Kita-Anfrageformular aus – wir prüfen die Einrichtung und schalten den Rechnungskauf mit 14 Tagen Zahlungsziel frei. Sicherheitszertifikate, Konformitätserklärungen und Prüfberichte versenden wir auf Anfrage als PDF, gerne auch vorab zur Vorlage beim Träger.
FAQ – Häufige Fragen aus dem Kita-Alltag
Sind eure Holzperlen speichelfest?
Ja. Unsere lackierten Holzperlen sind nach DIN EN 71-3 und DIN 53160 geprüft (Speichel- und Schweißechtheit). Prüfbericht senden wir auf Anfrage zu.
Welche Perlengröße ist für Krippenkinder unter 3 Jahren erlaubt?
Ausschließlich Sicherheitsperlen ab 30 mm Durchmesser oder Material, das fest in Greiflinge/Schnullerketten eingearbeitet ist. Lose Kleinperlen sind erst ab 3 Jahren freigegeben.
Was unterscheidet eine Schnullerkette nach EN 12586 von einer selbstgemachten?
Die Norm schreibt eine maximale Länge von 22 cm, einen Zugtest von 90 N und einen festen Verschluss vor. Selbst gebastelte Ketten ohne diese Prüfung dürfen in Krippen nicht ausgegeben werden – das gilt auch für Eltern-Geschenke.
Wie erkenne ich verschluckbare Kleinteile schnell?
Faustregel: Was durch eine handelsübliche Klopapierrolle fällt, ist potenziell verschluckbar. Offiziell gilt der Kleinteile-Zylinder nach EN 71-1 (31,7 mm Durchmesser).
Können wir Sicherheitszertifikate vor dem Kauf einsehen?
Ja, fordere sie über das Kita-Anfrageformular an oder schreibe an unseren B2B-Service. Wir versenden die aktuellen Prüfberichte als PDF in der Regel innerhalb von 24 Stunden.
Wie lange ist ein Prüfbericht gültig?
Solange das Produkt unverändert produziert wird. Bei laufenden Produkten lassen wir alle 24 Monate nachprüfen, um Materialdrift auszuschließen.
Vertrauensvoll einkaufen für deine Kita
Sicheres Bastelmaterial ist kein Luxus, sondern Pflichtprogramm – und es entlastet dich im Alltag spürbar. Wer Material mit Prüfbericht einkauft, kann mit den Kindern entspannter arbeiten. Wenn du Fragen zu einem konkreten Artikel hast, frag uns. Wir sind selbst Familie und kennen den Kita-Alltag.